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Interview mit Benedikt Niemeyer, CEO der SCHMOLZ+BICKENBACH AG

Eingestellt am 20. April 2012 in Firmen, Interviews, , , ,

Weltweite Chancen und Megatrends am internationalen Stahlmarkt

Benedikt Niemeyer, CEO der SCHMOLZ + BICKENBACH AG, im Gespräch über aktuelle Trends und Entwicklungen am internationalen Stahlmarkt und künftige Herausforderungen des weltweit tätigen Stahlkonzerns.

Frage: Wie bewerten Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation von SCHMOLZ + BICKENBACH und die Position des Unternehmens am Spezialstahlmarkt?

Benedikt Niemeyer: Im Jahr 2011 war die Geschäftsentwicklung für die SCHMOLZ + BICKENBACH Gruppe insgesamt zufriedenstellend. Aufgrund der fallenden Legierungspreise haben wir im zweiten Halbjahr einiges an Marge eingebüßt, das Jahr aber dennoch gut abgeschlossen. Den niedrigen Euro sehen wir jedoch als Chance für die Stahlbranche: Unsere europäischen Kunden agieren an den weltweiten Exportmärkten zu besten Konditionen, davon profitieren auch die Gesellschaften unserer Unternehmens-Gruppe.

Frage: Wo sehen Sie heute die größten Wachstumsmärkte im Spezialstahlmarkt?

Benedikt Niemeyer: In Nordamerika verzeichnen wir eine gesteigerte Nachfrage im Öl- und Gasbereich. Gerade Schiefergas bleibt ein Wachstumstreiber, da in den USA die Selbstversorgung mit Rohstoffen oberste Priorität hat. Zur Gasgewinnung wird eine Flüssigkeit mit hohem Druck in das Gestein gepumpt, um die Schieferschichten aufzubrechen und das dort gespeicherte Gas nach oben zu fördern. Die Pumpenblöcke, die wir an die Gas-Unternehmen liefern, müssen daher höchsten Beanspruchungen standhalten und als Verschleißteile regelmäßig ausgetauscht werden. Von dieser Entwicklung im Energiesektor hat vor allem unsere Tochtergesellschaft Finkl & Sons im vergangenen Jahr profitiert.

Frage: Welche Fortschritte macht der Ausbau des neuen Standorts von Finkl & Sons in Chicago?

Benedikt Niemeyer: Seit der Übernahme von Finkl & Sons im Jahr 2007 haben wir mehr als 150 Mio. USD in den Aufbau einer neuen Produktionsanlage im Süden von Chicago investiert. Im vergangenen Jahr ist bereits ein Großteil der neuen Anlagen angelaufen. Doch aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage nach den Werkzeugstählen und großformatigen Schmiedestücken am amerikanischen Markt werden wir das alte Werk frühestens Ende des Jahres schließen können.

Frage: Welche neuen Investitionen planen Sie im laufenden Geschäftsjahr?

Benedikt Niemeyer: Wir investieren weiterhin in den Ausbau unserer Distributionsgesellschaften in den aufstrebenden Ländern der Emerging Markets. Aktuell liegt unser Fokus im asiatischen Raum. Nach der Eröffnung von Vertriebsbüros in Singapur und Vietnam suchen wir heute nach einem passenden Lagerstandort in Indonesien und entwickeln Projekte in Thailand. Darüber hinaus bauen wir gegenwärtig ein Distributionszentrum in Dubai als zentralen Anlaufpunkt für den Mittleren Osten auf.

Frage: Welche Strategie verfolgen Sie mit der Erschließung dieser neuen Märkte?

Benedikt Niemeyer: Mit unseren Aktivitäten folgen wir einerseits den global agierenden Konzernen, die zunehmend Produktionen in den Emerging Markets aufbauen. Andererseits fragt aber auch die regionale stahlverarbeitende Industrie in den aufstrebenden Wirtschaftsregionen unseren Spezialstahl erstmals als Primäranwender nach, etwa für die eigene Automobilproduktion.

Für die Herstellung unserer Spezialstahlprodukte sind komplexe Wertschöpfungsschritte nötig sowie jahrzehntelanges Produktions- und Applikations-Know-how. Daher bieten die Emerging Markets für uns große Chancen. Hier sehen wir über Jahre hinweg einen starken Wachstumsmarkt für unsere Branche.

Frage: Welche Entwicklungen sehen Sie langfristig am weltweiten Stahlmarkt?

Benedikt Niemeyer: Bei der Betrachtung weltweiter Entwicklungen erkennen wir Megatrends, die für unsere künftige Geschäftsentwicklung von Bedeutung sein werden. So erwarten wir etwa, dass der Trend zur Mobilität vor dem Hintergrund der ständig wachsenden Weltbevölkerung weiter anhalten wird und damit auch die Nachfrage nach unseren hochentwickelten Edelbaustählen und Werkzeugstählen für den Automotivebereich. Die zunehmende Ressourcenverknappung führt darüber hinaus zur Entwicklung neuer Fördermethoden für die Erschließung schwer zugänglicher Rohstoff-Reserven. Auch in diesem Segment werden die Anforderungen an die hier eingesetzten Spezialstähle weiter steigen. Schon heute liefern wir beispielsweise amagnetische Bohrwerkzeuge zur Erschließung neuer Erdölvorkommen. Einen weiteren Megatrend sehen wir darüber hinaus in der wachsenden Nachfrage aus dem Bereich Gesundheit und Hygiene. Gerade in den Emerging Markets entwickeln sich neue Absatzmärkte der verschiedensten Bereichen: In Indien verdirbt heute beispielsweise rund ein Drittel der Lebensmittel auf dem Weg von den Feldern zum Konsumenten. Egal ob bei der Installation von Kühlsystemen oder der Herstellung von Plastikverpackungen – unsere Spezialstähle werden auch dort künftig zunehmend benötigt. Daher blicken wir insgesamt mit unserem Geschäftssegment der Zukunft positiv entgegen.

Eingestellt am 20. April 2012 in Firmen, Interviews, , , ,