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Stephan Remmert über Herausforderungen in der Lagerkonstruktion

Eingestellt am 22. Dezember 2014 in Firmen, Interviews, , , , ,

Besondere Anforderungen verlangen nach besonderen Lösungen

Gerade im direkten Produktionsumfeld sind leistungsstarke Lagersysteme gefragt, die eine schnelle Beschickung der Fertigung gewährleisten. Doch stellt die Bevorratung dieser geringen Lagermengen viele Unternehmen vor Herausforderungen.

Die Friedrich Remmert GmbH bietet mit ihrem neuen BASIC Tower Langgut nun die ideale Lösung. Das Turmlager ermöglicht auf kleinstem Raum alle Vorteile eines Automatiksystems. Logistikexperte Stephan Remmert erklärte uns, welche technischen Aspekte bei der Konstruktion des BASIC Towers zu beachten waren.

Redaktion: Herr Remmert, mit dem BASIC Tower Langgut präsentieren Sie Ihr zweites Lagersystem für geringe Mengen. Wodurch zeichnet sich das Lager aus und welche Anforderungen gingen damit in Bezug auf die Konstruktion einher?


Stephan Remmert: Mit dem BASIC Tower haben wir ein platzsparendes Stand-alone-System entwickelt, das die Raumhöhe bestmöglich ausnutzt. Als Resultat ermöglichen wir auf einer Grundfläche von 25 m² eine Lagerkapazität von bis zu 120 t. Der Lagerturm lässt sich dadurch optimal in bestehende Raumkonzepte integrieren. Jedoch bringt diese Konstruktion auch einige Herausforderungen mit sich. So entstehen durch die hochverdichtete Bauweise und die hohe Ladekapazität des Turms enorme Kräfte im Bereich der Fußpunkte. Unsere Lösung: eine spezielle Verankerungstechnik, über die sich die Kräfte in den Boden einleiten lassen. Darüber hinaus muss natürlich auch die Statik sowie das Kippmoment des Towers beachtet werden. Dieses haben wir im Vorfeld in zahlreichen Simulationen sehr genau berechnet. Die Stabilität unseres Lagerturms ist nach EUROCODE-Norm zertifiziert.

Bei der Entwicklung des BASIC Towers Langgut spielte Flexibilität hinsichtlich der Lagernutzung eine große Rolle. Was bedeutet das genau?

Wir wollten unseren Kunden ein Lagersystem für unterschiedlichste Anforderungen bieten. Deshalb haben wir den BASIC Tower nach dem Baukastenprinzip als modulares, standardisiertes System konstruiert. Die Vorteile liegen zum einen in der Anpassung des Turms an das Lagergut. Das Lager ist für Kassetten für Langgut oder – wenn Unterteilungen eingesetzt werden – auch für Stückgut ausgelegt. Parallel zu den Langgutkassetten können aber auch Tablare, beispielsweise für die Bevorratung von Blechen, Blechzuschnitten, Paletten oder auch Kisten mit Werkzeugen, genutzt werden.
Zum anderen zeigt sich die Flexibilität in der vielseitigen Lagergestaltung. So ist das System in unterschiedlichen Abmessungen sowie in diversen Ausführungen – beispielsweise als ein- oder doppelseitiger Turm mit einer variablen Anzahl von Ebenen oder mit verschiedenen Lagerstationen – erhältlich. Nahezu alle Komponenten des Lagers können dank des Baukastenprinzips problemlos zusammengebaut werden. Wird zum Beispiel eine zweite Beladehöhe gefordert, wird nur das entsprechende Bauteil konfiguriert. Schnittstellen und Anschraub- bzw. Erweiterungspunkte sind bereits in der Grundkonstruktion enthalten. Ebenso wie die erforderlichen elektrischen, sensorischen und mechanischen Bauteile. Für unsere Kunden ist das ein echter Vorteil, denn so kann das Lagersystem auch zu einem späteren Zeitpunkt leicht modifiziert werden.

Redaktion: Und wie gewährleisten Sie, dass trotz dieser individuellen Lagergestaltung alle Prozesse reibungslos funktionieren und es nicht zu Leistungseinschränkungen kommt?

Das ist eine Anforderung, mit der wir uns bereits bei der Entwicklung des BASIC Towers Blech beschäftigt haben. Das Materialhandling spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wir haben für die BASIC Tower deshalb eine eigene Hebelösung entwickelt und diese sogar patentieren lassen. Dabei wird die Hubtechnik nicht wie sonst üblich an einer Rollenkette befestigt, sondern mittels einer Spezialkette – der sogenannten „King-Chain-Drive“ – über eine Zahnstange bewegt. Das System arbeitet dadurch sehr effektiv und positioniergenau. Bei Ein- und Auslagerungen greift die Nockenkette in die seitlichen Eingriffe der Kassette oder des Tablars und zieht sie auf die Hubtraverse. Diese verfügt über einen integrierten Antrieb, der ein geräusch- und wartungsarmes Handling ermöglicht. Außerdem fährt die Hubtraverse des BASIC Towers Langgut mit zwei Geschwindigkeiten. So können wir unabhängig von den Materialien einen schnellen Zugriff auf das Lagergut gewährleisten.

Apropos schnell und effizient: Das gilt natürlich auch für den Aufbau und die Inbetriebnahme unserer BASIC Tower. Dank Plug-and-Run-Konzept, bei dem die mechanischen und elektronischen Komponenten gesteckt werden, sind die Lager nach nur zwei Tagen voll nutzbar.

Herr Remmert, herzlichen Dank für das informative Gespräch
Eingestellt am 22. Dezember 2014 in Firmen, Interviews, , , , ,